Bruchsaler Schülerin überzeugt mit Lagersystem gegen verschimmeltes Heu – und gewinnt auch den Publikumspreis.
Leonie Lisa Dohn von der Handelslehranstalt Bruchsal gewinnt das JUGEND GRÜNDET Bundesfinale 2026. Mit ihrer Geschäftsidee Heuwind Lagertechnik setzte sie sich im Porsche Ausbildungszentrum in Stuttgart gegen neun weitere Finalteams durch. Auch das Publikum überzeugte sie: In der Online-Abstimmung erhielt Heuwind Lagertechnik die meisten Stimmen.
Heuwind Lagertechnik ist ein modulares Lagersystem für Heuballen. Eine stabile Unterkonstruktion aus recyceltem Kunststoff soll klassische Holzpaletten ersetzen und Heu trocken, sauber und sicher lagern. Die Jury lobte vor allem, wie gründlich Leonie Lisa Dohn ihr Thema durchdrungen hat. Sie präsentierte ihre Idee klar, unternehmerisch und mit erkennbarem Blick für die Praxis.
Heu trocken lagern, Schimmel vermeiden
Heu muss trocken bleiben. Sonst leidet die Qualität, im schlimmsten Fall wird es unbrauchbar. Heuwind Lagertechnik setzt genau dort an: Die Unterkonstruktion soll Heuballen vom Boden fernhalten, Luft zirkulieren lassen und Feuchtigkeit vermeiden.
Die Idee ist bodenständig und praktisch. Sie löst kein abstraktes Zukunftsproblem, sondern eines, welches in Ställen, Scheunen und Betrieben jeden Tag zählt.
Hauptpreis: Grand Tour Europe
Mit dem Bundessieg gewinnt Leonie Lisa Dohn den von der Porsche AG gestifteten Hauptpreis: die Grand Tour Europe, eine geführte Reise von Stuttgart über Paris nach London. Die Jugendlichen besuchen Innovationszentren wie den Pariser Start-up-Campus Station F, Entrepreneur First und den London AI Hub. Dort erleben sie Start-ups und KI-Innovation aus der Nähe – und erfahren aus erster Hand, wie aus Ideen Unternehmen werden. „Rund 40 Prozent aller Gründungen kommen heute von Menschen unter 30 – so viele wie noch nie. Das ist stark. Und das macht Hoffnung“, sagte Vera Schalwig von der Porsche AG. „Wir brauchen Menschen, die anpacken. Die etwas bewegen wollen. Dinge besser machen wollen. Und genau deshalb sind wir hier als Hauptsponsor dabei – aus voller Überzeugung. Mit der Grand Tour Europe geben wir dem Siegerteam die Möglichkeit, Europas Start-up-Szene aus nächster Nähe zu erleben.“
Platz 2 und Platz 3
Platz 2 erreichte Air2Growth aus München. Isabella Meerpohl, Benedikt Kammergruber, Felicia Kloss und Navika Bhardwaj entwickelten ein Gerät, das CO₂ direkt aus der Luft entziehen und mithilfe von Mikroalgen in Flüssigdünger umwandeln soll. Die Jury lobte das kompetente Auftreten des Teams, den starken Pitch und das durchdachte Geschäftsmodell. Auch die geplante lokale Produktion überzeugte. Als Preis reisen die Jugendlichen in die Autostadt Wolfsburg und erhalten zusätzlich Einblicke hinter die Kulissen von Volkswagen.
Platz 3 ging an CLIPRO aus Stuttgart, das außerdem den Sonderpreis „Bester Businessplan“ erhielt. Julius Rudolf, Inocencio Maunz Manzano, Anton Schwarz und Pawel Karpowicz entwickelten mit OleoClip ein nachrüstbares
Leckwarnsystem für ölführende Rohrleitungen in Industrieanlagen. Das System soll Lecks an typischen Schwachstellen früh erkennen und sofort optisch, akustisch und digital melden. Die Jury hob hervor, wie stark das Team seine Idee seit der ersten Wettbewerbsphase weiterentwickelt hat – bei Software, Hardware, rechtlichen Fragen und Beratung. Als Preis besuchen die Jugendlichen einen McKinsey Standort und erleben einen Innovation Day der Unternehmensberatung.
Sonderpreise
Beim Bundesfinale wurden außerdem mehrere Sonderpreise vergeben:
- ALTANA Sonderpreis Chemie: TerraTin aus Oldenburg – biologisch abbaubare Einwegverpackungen aus Weizenstärke.
- Diversity-Sonderpreis: SkinToSkin aus Kelheim – ein smartes Vitalpflaster für Babys, ausgezeichnet durch McKinsey & Company, Inc.
- Sonderpreis „Social Start-up“: Ninoxity aus Michelstadt – eine KI-gestützte Browsererweiterung für mehr Orientierung bei Onlineartikeln, ausgezeichnet durch die Volkswagen AG.
- Planspiel-Sonderpreis: Future+ aus Bremerhaven – bestes Planspiel-Ergebnis des Wettbewerbsjahres, ausgezeichnet durch die Volkswagen AG.
- Sonderpreis „Bester Businessplan“: CLIPRO aus Stuttgart – ein Businessplan für „OleoClip“, ein Leckwarnsystem in Industrieanlagen, ausgezeichnet durch pikepartners.
- Sonderpreis „Künstliche Intelligenz“: Press Green aus Büdingen und Schwäbisch Gmünd – eine KI-App gegen Telefonangst, ausgezeichnet durch die CK Holding.
Der Publikumspreis ging ebenfalls an Heuwind Lagertechnik aus Bruchsal. Vom 11. bis 24. Juni konnten alle online für ihr Favoritenteam abstimmen.
Zehn Finalteams aus 1.461 Businessplänen
Beim Bundesfinale am 24. und 25. Juni im Porsche Ausbildungszentrum in Stuttgart präsentierten die zehn besten Teams des Wettbewerbsjahres ihre
Geschäftsideen. Ausgerichtet wurde das Finale von Hauptsponsor Porsche AG. Qualifiziert hatten sich Teams aus Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Der Weg ins Finale war so schwer wie nie: Im Wettbewerbsjahr 2025/2026 nahmen 6.519 Schülerinnen und Schüler an JUGEND GRÜNDET teil, 1.461 Businesspläne wurden eingereicht. Auf der Zukunftsideenmesse erklärten die Finalteams ihre Ideen an selbst gestalteten Messeständen, pitchten vor der Bundesjury und beantworteten Fragen von Expertinnen und Experten.
„Gründen muss Schule machen“
„Gründen muss Schule machen“, sagt Projektleiterin Franziska Metzbaur. „Diese Finalteams zeigen, was möglich wird, wenn junge Menschen eigene Ideen entwickeln und ausprobieren dürfen. Im Sport fördern wir in der Breite – und daraus wachsen besondere Talente. So sollte es auch beim Gründen sein.“

