2. Nachhaltig wirtschaften

Nachhaltigkeit ist zentral für jedes wirtschaftliche Unterfangen und sollte auch von Start-ups am besten von Anfang an mitbedacht werden. Das liegt nicht nur daran, dass immer mehr Kund:innen Wert auf ökologisch und sozial fair produzierte und gehandelte Waren und Dienstleistungen legen, sondern weil unter dem Begriff Nachhaltigkeit sehr viel mehr zu verstehen ist, als "nur" ein Bio-Siegel.

D I E    I N H A L T E

  1. Was heißt Nachhaltigkeit? Verantwortung!
  2. Geschichte
  3. Drei Dimensionen
  4. Wie wirtschaftet man nachhaltig?
  5. Warum sollte man Nachhaltigkeit immer mitbedenken?
  6. Nachhaltigkeit aus Sicht des Grundgesetzes
  7. Richtlinien und Orientierungsrahmen

Was ist Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der in vielen Bereichen Verwendung findet. Das liegt vor allem auch an einer zentralen Definition der Vereinten Nationen von 1987, die sehr vage bleibt und deshalb Raum für Interpretationen öffnet. Dort heißt es:

„Die Menschheit hat die Fähigkeiten Wachstum nachhaltig zu betreiben [und so] sicherzustellen, dass die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt sind, ohne dabei den Chancen der künftigen Generationen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, zu schaden.“

Das Ziel von nachhaltigem Handeln ist demnach sicherzustellen, dass auch zukünftige Generationen in Frieden leben können und kein Leid oder gar Kriege auf Grund fehlender Ressourcen oder sozialer Ungleichheiten entstehen. Letztlich also zu verhindern, dass dystopische Science-Fiction, also alptraumhafte Szenarien, wie in zahlreichen Büchern und Filmen beschrieben, Wirklichkeit wird.

Was also ist zu tun? Eigentlich ganz einfach: Immer auch daran denken, welche Auswirkungen das eigene Handeln auf andere hat. Und zwar nicht nur jetzt gerade, sondern auch in Zukunft.

Nachhaltigkeit bedeutet auf den Punkt gebracht:

Verantwortung übernehmen. Für sich und für andere.

Geschichte

Auch wenn es in den letzten Jahren an vielen Stellen so schien, als sei Nachhaltigkeit mit Blick auf Wirtschaft und Unternehmen ein völlig neues Ziel, so muss gesagt werden, dem ist nicht so:

Nachhaltigkeit als stehender Begriff entwickelte sich bereits vor über dreihundert Jahren im Zusammenhang mit der Holzwirtschaft. Zur damaligen Zeit gab es kaum noch Wälder. Alle Bäume wurden abgeholzt, um den Menschen in der damaligen sogenannten „Kleinen Eiszeit“ als Brennholz zu dienen. Es bestand also ein riesiger Bedarf an Holz. Doch das Angebot sank von Jahr zu Jahr. Denn an das Nachpflanzen dachten damals nur die Wenigstens.

Der aus dem sächsischen Freiberg stammende Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645–1714) schrieb in der Folge ein Buch namens Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht (1713), das heute vielen als der Ursprung des Nachhaltigkeitsgedankens gilt. Um ein nachhaltiges Handeln umzusetzen, sollte nach Carlowitz in einem Wald nur so viel abgeholzt werden, wie der Wald in absehbarer Zeit auf natürliche Weise regenerieren kann. Das Prinzip der Nachhaltigkeit sollte also sicherstellen, dass ein natürliches System in seinen wesentlichen Eigenschaften langfristig erhalten bleibt.

Drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

Auch schon Carlowitz ging es nicht einfach nur um den ökologischen Aspekt der Wiederaufforstung der Wälder, sondern insbesondere auch um die mittel- und langfristigen sozialen und ökonomischen Folgen der Abholzung der Wälder.

Allgemein wird daher inzwischen auch angenommen, dass eine dauerhaft funktionierende Gesellschaft, also das ultimative Ziel der Nachhaltigkeit, nur gesichert werden kann, wenn gleichzeitig und gleichberechtigt umweltbezogene, soziale und wirtschaftliche Ziele bedacht werden.

  • Ökologische Nachhaltigkeit: Die natürlichen Lebensgrundlagen sollten soweit beansprucht werden, wie sie sich wieder regenerieren können.
  • Ökonomische Nachhaltigkeit: Ökonomisch nachhaltig ist eine Wirtschaftsweise dann, wenn sie dauerhaft betrieben werden kann.
  • Soziale Nachhaltigkeit: Um innerhalb eines Staates und einer Gesellschaft in Frieden leben zu können, muss sichergestellt sein, dass sich die sozialen Spannungen in Grenzen halten. Das wird zum Einen dadurch erreicht, dass den Einzelnen die größtmögliche Freiheit zugestanden wird, zu tun und zu lassen, was sie wollen, ohne dass dabei andere zu Schaden kommen oder über Gebühr benachteiligt werden. Und zum anderen, dadurch, dass Stärkere Verantwortung für Schwächere übernehmen. 

Zusammengefasst kann also gesagt werden: Nachhaltig wirtschaftet, wer nicht über seine Verhältnisse lebt und bedenkt, welche Auswirkungen sein Handeln für Mensch und Umwelt heute und in Zukunft hat und haben wird, und entsprechend handelt. Das führt im besten Fall zu einem Unternehmen, dessen Handeln Profite generiert und gleichzeitig positiv im Hinblick auf die sozialen und ökologischen Folgen wirkt. Also kein Raubbau, weder an Mensch noch Natur, betrieben wird.

Nachhaltigkeit trägt dem Fakt Rechnung, dass nichts für sich steht, sondern alles miteinander verwoben ist.

Die Beurteilung, ob bestimmte Handlungen zu Auswirkungen führen, die über kurz oder lang für Mensch, Umwelt oder das Unternehmen unzumutbar sind, ist natürlich eine sehr individuelle Entscheidung. Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen von Moral und Ethik, geprägt durch eigene Erfahrungen, den Kulturkreis, in dem sie sich befinden und vieles andere mehr. Je nach Perspektive ist eine Handlung als moralisch gut oder verwerflich zu betrachten. Und oftmals müssen viele verschiedene Gesichtspunkte beachtet werden, die einander beeinflussen oder sich gegenseitig ausschließen.

Denkanstöße:

▲ Mietobergrenzen

▼ Mietobergrenzen

Ziel von Mietobergrenzen ist es, dass mehr bezahlbarer Wohnraum auch für finanzschwächere Menschen zur Verfügung steht. Mietobergrenzen könnten aber auch dazu führen, dass Vermieter, zum Beispiel Wohnungsgenossenschaften, nicht genug Geld verdienen um neuen Wohnraum zu schaffen und so erst eine Wohnungsnot entsteht.

▲ Mindestlohn

▼ Mindestlohn

Ziel des Mindestlohns ist es, dass eine Vollzeit arbeitende Person sich von ihrem Lohn ohne staatliche Unterstützung über Wasser halten kann. Die Einführung von Mindestlöhnen könnte aber ab einer bestimmten Höhe auch dazu führen, dass Arbeitgeber es sich nicht leisten können neue Arbeitsplätze zu schaffen oder sogar bestehende Arbeitsplätze abbauen müssen.

▲ Ölbohrungen in der Arktis

▼ Ölbohrungen in der Arktis

Ölbohrungen in der Arktis zerstören unschätzbare Biosphären und setzen einige der letzten unberührten Lebenswelten der Erde dem Risiko völliger Zerstörung aus. Andererseits schaffen Ölbohrungen auch Arbeitsplätze, den Firmen entstehen Gewinne und für den Verbraucher wird das Benzin an der Tankstelle möglicherweise günstiger.

▲ Kinderarbeit

▼ Kinderarbeit

Das Kinder in manchen Gegenden der Welt arbeiten müssen, anstatt ihre Kindheit ohne Sorgen spielend verbringen zu können, scheint für uns in Europa nicht akzeptierbar. Doch immer wieder werden auch Stimmen laut gegen ein Verbot der Kinderarbeit: Die Kinder und deren Familien seien angewiesen auf das Einkommen der Kinder.


Die Frage nach richtig oder falsch ist nicht immer absolut eindeutig zu beantworten. Doch trotz dieser Differenzen gibt es heutzutage bestimmte universelle Werte, die in Europa unter anderem aus der Aufklärung hervor gegangen sind.

Beispiele:

  • der Wunsch nach Frieden
  • die Nächstenliebe
  • die Würde jedes einzelnen Menschens.

Diese Werte sollten grundsätzlich unser Handeln leiten und auch die Basis für die Definition des Begriffs Nachhaltigkeit bilden.

Wie wirtschaftet man nachhaltig?

Nachhaltigkeit ist nichts, was man an einem Punkt im Businessplan festnageln kann. Nachhaltigkeit ist eine unternehmerische Querschnittsaufgabe. So bildet JUGEND GRÜNDET die Nachhaltigkeit im Planspiel auch mit der Balanced Scorecard ab, bei dem neben dem reinen Gewinn auch die Anzahl dauerhaft geschaffener Arbeitsplätze und die Weiterentwicklung des Produkts, oder die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung im Einzelfall relevant sind. Im Businessplan ist die Nachhaltigkeit in gesonderten Feldern abgefragt, sollte sich aber durch den gesamten Plan ziehen. Angefangen bei der Idee.

Nachhaltig wirtschaften kann heißen:

Eine grüne Geschäftsidee verfolgt ökologische Ziele, eine soziale Geschäftsidee soziale Ziele. So sorgen sie dafür, dass die Welt und/oder unsere Gesellschaft auch in Zukunft lebenswert bleiben.

Beachtung der Arbeitsschutzgesetze, faire Bezahlung, Beachtung sozialer Mindeststandards auch bei Zulieferbetrieben in anderen Ländern, Ächtung von Kinderarbeit, Betriebssportangebot, Betriebsarzt, Gewährung von Elternzeit, Mutterschutz, Teilzeitarbeit, Inklusion.

Ehrliche Produktbeschreibung, faire Preise, angemessene Qualität, Anstreben von Qualitätssiegeln, Schutz der Kunden vor Schäden durch im Produkt enthaltende Gifte, Rückrufaktionen im Falle einer drohenden Gefahr bei Nutzung des Produkts, etc.

Ein verantwortlicher Umgang mit Produktionsmaterial und natürlichen Lebensgrundlagen berücksichtigt zum Beispiel:

  • den Tierschutz
  • dass umweltschädigende Pestizide und Bodengifte vermieden werden,
  • soweit möglich auf giftige Ausgangsstoffe verzichtet wird
  • Produktionsmittel fair gehandelt bezogen werden
  • auch bei Zulieferbetrieben auf die Einhaltung gewisser Mindeststandards geachtet wird
  • Recyclingsysteme implementiert werden.

Ein Beispiel dafür, wie Recyclingsysteme implementiert werden, ist die Cradle to Cradle-Denkschule. Sie besagt, dass Müll für verlorengegangene Ressourcen und sinnlose Vergeudung steht. Sinnvoller wäre es, Materialien fortlaufend in Kreusläufen zirkulieren zu lassen, erneuerbare Energien zu verwenden und eine kulturelle und biologische Vielfalt zu nutzen: Cradle to Cradle 

Eines der größten Probleme, das zum Klimawandel beiträgt, ist der zu hohe Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO²) in die Atmoshäre. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem; aber auch jeder und jede Einzelne und große und kleine Unternehmen können dazu beitragen, dass sich die CO²-Bilanz verbessert. Das Umwelt Bndesamt hat einen CO²-Rechner entwickelt zur Berechnung des eigenen CO²-Fußabdruckes. Zum CO²-Rechner.

Wenn für einen Stuhl Holz verwendet wird, dann sollte sichergestellt sein, dass dieses Holz auch in fünf oder zehn Jahren noch vorhanden ist. Neben dem Abholzen muss man also auch daran denken, dass Bäume neu gepflanzt werden.

Diese Liste ist nicht abschließend. Und die Reihenfolge trifft keine Aussage darüber, ob einer der Punkte wichtiger ist, als die anderen.

Nachhaltiges Handeln im Unternehmen beruht nicht immer auf einer eigenständigen Entscheidung der Unternehmer:innen. Wenn sich Unternehmen nicht an Arbeitszeitregelungen halten, damit ihre Mitarbeitenden mehr produzieren, oder auf den Tierschutz bei der Fleischproduktion kein Wert gelegt wird, dann ist das nicht nur moralisch zweifelhaft. Diese Unternehmen verstoßen auch gegen Gesetze und dafür drohen im Einzelfall hohe Strafen.

Doch nachhaltiges Handeln setzt weder voraus, dass Unternehmer:innen eigenständig auf die Einsicht gekommen sind, dass an die Zukunft zu denken, eine gute Idee ist, noch ist alles, was sich an den gesetzlichen Anforderungen orientiert, als das höchste zu erreichende Ziel zu bewerten.

Nachhaltiges Handeln im Unternehmen gibt es in vielen Abstufungen, von denen der gesetzlich gesetzte Rahmen in der Regel den Mindeststandard vorschreibt.

Was ist Nachhaltigkeit? Ein Statement von Martin.

Warum nachhaltig wirtschaften?

Das Hauptziel von Unternehmen ist es Einnahmen zu erwirtschaften. Mit den Einnahmen wird der Fortbestand des Unternehmens gesichert, Gehälter werden bezahlt, die Produktion wird finanziert.

Oftmals wird befürchtet, nachhaltiges Wirtschaften und Gewinne erzielen stünden sich unvereinbar gegenüber. Doch dieser Eindruck trügt. Die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung kostet Unternehmen nicht nur Geld. Engagement für mehr Nachhaltigkeit, auch über die gesetzlichen Pflichten hinaus, ist für gesunde Unternehmen vielmehr eine ökonomisch sinnvolle Investition in die Zukunft, die sich positiv in der Wertschöpfung des Unternehmens niederschlagen wird: Es wirkt vertrauensbildend. Denn wem kein Vertrauen entgegengebracht wird, der gewinnt keine Kund:innen. Im Gegenteil: Durch katastrophale Arbeitsbedingungen, Umweltzerstörung, oder auch veraltete Angebote laufen Unternehmen Gefahr, Kund:innen zu verlieren.

Der gute Ruf:

Nachhaltig zu wirtschaften nutzt nicht nur der Gesellschaft als Ganzer; nachhaltig wirtschaften kann sich auch auch als eine indirekte Werbemaßnahme postitiv auf das Unternehmen auswirken. Und das nicht nur mit Blick auf die Kundschaft, sondern immer stärker auch im Wettbewerb um gutes Personal.

  • Viele Kund:innen suchen Unternehmen und Marken, die Sozial- oder Umweltstandards einhalten. Bio-Siegel, Fair-Trade, Unternehmen, die DIN-Normen einhalten oder TÜV-Siegel haben. Einige dieser Siegel sichern die Erfüllung der gesetzlichen Mindeststandards. Andere gehen sehr weit darüber hinaus. Jedes dieser Siegel sorgt jedoch dafür, dass der Kundschaft ein Produkt angeboten wird, das eine gewisse Qualität hat.
  • Nachhaltig zu wirtschaften sorgt dafür, dass Skandale vermieden werden. Nachhaltig zu wirtschaften ist in dieser Hinsicht also ein proaktives Mittel um Negativschlagzeilen zu verhindern.
  • Nachhaltig wirtschaften heißt auch, das Unternehmen so zu führen, dass es dauerhaft bestehen kann. Das heißt liefer- und zahlungsfähig sein, Mitarbeitende nicht in großen Zahlen entlassen zu müssen, etc. Das führt zu einem positiven Bild in der Öffentlichkeit oder im Anschluss an den vorherigen Punkt, jedenfalls zu keinem negativen Bild, sondern zu einem Vertrauen in das Unternehmen auf Seiten von Kundschaft, Personal und Öffentlichkeit.

 

Einen Euro für den Regenwald beim Kauf eines Bierkastens spenden? Eine Impfdosis für jeden Kauf einer Windelpackung?

Solche Aktionen scheinen ein guter, öffentlichkeitswirksamer Weg zu sein, der potenziellen Kundschaft mitzuteilen:

Wir sind anders. Wir sorgen uns nicht nur um Dich als unsere:n Kund:in, wir kümmern uns um das Wohlergehen der Erde und all ihrer Bewohner:innen.“

Mit solchen Aktionen versuchen Unternehmen ihre Produkte umweltfreundlicher, sozialer oder fairer produziert erscheinen zu lassen.

„Greenwashing“ bezeichnet man diese Form des Marketings, wenn die gute Tat medienwirksam ausgeschlachtet wird, im Vergleich zum Umsatz aber eher ein Tropfen auf dem heißen Stein bleibt. Es wird angenommen, dass Unternehmen in solchen Fällen nicht aus Überzeugung, sondern vor allem im eigenen Interesse aus Marketinggesichtspunkten handeln und der eigentliche gute Zweck nebensächlich ist.

Was aber nicht heißt, dass die unterstützten Projekte nicht doch davon profitieren.

Finanzielle Gründe

Nachhaltig wirtschaften kann vor allem auf lange Sicht den Unternehmen auch Kosten sparen.

In Zeiten des Fachkräftemangels und in der heutigen globalisierten Arbeitswelt kommt es den jungen Arbeitskräften häufig nicht mehr so sehr darauf an, einen bestimmten Titel und eine Karrierestufe zu erreichen, sondern darauf eine ausgeglichene Balance zwischen Job und Privatleben zu finden: die Work-Life-Balance. Und immer mehr Menschen legen Wert darauf, etwas Sinnvolles zu tun. So kann es sich für Unternehmen auch intern auszahlen, nachhaltig zu wirtschaften.

Die Mitarbeitenden wollen fair behandelt werden und Freiheiten haben: Gleitzeit, Home-Office, angenehme Arbeitsatmosphäre, etc. Nur wenn man als Arbeitgeber:in attraktiv ist, hat man heutzutage eine Chance die qualifiziertesten Mitarbeiter:innen für sich zu gewinnen und auch zu halten. Und dass Mitarbeitende auf Dauer bleiben, muss den Unternehmen ein hohes Ziel sein. Denn in vielen Fällen steckt der Wert eines Unternehmens zu großen Teilen in den Köpfen der Angestellten. Geht ein:e qualifizierte:r Mitarbeiter:in, so ist das für ein Unternehmen ein echter Verlust, auch wenn dieser vielleicht nicht unmittelbar in betriebswirtschaftlichen Kennzahlen bezifferbar ist.

Ähnlich wirkt sich das nachhaltige Wirtschaften auf die Attraktivität für Aktionär:innen oder Gesellschafter:innen aus. Werfen Bestechungsskandale ihre Schatten voraus oder sind Umweltkatastrophen zu erwarten, dann sind Unternehmen auf Grund der drohenden Gerichtsprozesse und Schadensersatzforderungen für Aktionär:innen mit einem unkalkulierbaren Risiko behaftet und als Investition nicht sonderlich interessant.

Ganz abgesehen von den Strafzahlungen, die ein Unternehmen in solchen Situationen erwarten können.

Zu beurteilen, ob sich etwas finanziell lohnt ist nicht leicht, vor allem wenn man es nicht im Rückblick betrachtet, sondern Prognosen für die Zukunft treffen muss. Es gibt nicht immer eine eindeutige Antwort darauf, was positiv und was negativ für die Bilanz ist. Was also nur zu Kosten führt oder was sich auch positiv auf den Gewinn auswirken kann. Auch das Ergebnis einer Kosten-Nutzen-Analyse ist entscheidend davon abhängig, aus welcher Perspektive man die einzelnen Punkte betrachtet und worauf Unternehmer:innen persönlich Wert legen.

Aufgabe Kosten-Nutzen-Analyse

Am Rande eines kleinen Orts hat eine große Werkzeugfabrik ihren Sitz. Das Unternehmen wächst und baut am anderen Ende des Städtchens eine zweite Fabrik. Das hat zur Folge, dass jetzt täglich mehrere hundert LKWs vom einen Standort zum anderen durch die kleinen Straßen des Ortes fahren.

Die Mitarbeitenden, die größtenteils direkt im Ort wohnen, haben bereits ihren Unmut bekundet über den Lärm, die Abgase und die Gefahren für die Kinder durch den zusätzlichen Verkehr. Die Stadt zeigt sich offen dafür, eine Umgehungsstraße direkt vom einen Werksstandort zum anderen zu bauen. Die Umgehungsstraße führte dann durch einen bisher wirtschaftlich genutzten Wald, der aber auch den heimischen Wildtieren Rückzugsgebiet ist. Das Unternehmen müsste sich zudem an den Kosten für den Bau beteiligen

Kosten-Nutzen-Analyse

Aufgabe Aufgabe: Was sind für die oben genannten unterschiedlichen Akteure die Vor- und Nachteile, die der Bau einer solchen Umgehungsstraße bringen könnte und welches sind mögliche Vor- und Nachteile, wenn alles beim alten belassen wird?

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Soziale / Ökologische Verantwortung

Manche Unternehmer:innen sind in ihrem Bestreben ethisch zu wirtschaften gar nicht vorrangig von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen getrieben. Sie wollen die Welt verbessern, im Großen oder im Kleinen. Angefangen bei

  • Social Entrepreneuren, die sich durch ihre Geschäftsidee zum Beispiel auf den Gebieten Bildung, Umweltschutz, Armutsbekämpfung, Menschenrechte für einen wesentlichen positiven Wandel unserer Gesellschaft einsetzen und bei denen der Profitgedanke in den Hintergrund tritt,
  • über DAX-Konzerne, die aus Überzeugung nur noch Ökostrom beziehen,
  • hin zu Mittelständlern, die verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigen und fördern, weil sie dafür eine gesellschaftliche Notwendigkeit sehen.

Nachhaltiges Wirtschaften in der Marktwirtschaft – Träumerei?
Verfassungsrechtliche Verpflichtung!

Nachhaltig wirtschaften ist zum Vorteil der Unternehmen. Doch die Freiwilligkeit der Maßnahmen wird von Unternehmerseite und wirtschaftsliberalen Politikern häufig unverhältnismäßig betont. Muss man den Unternehmer:innen dankbar sein, wenn sie gute Taten vollbringen? Nein, denn dass in der Wirtschaft und in Unternehmen ethisch gehandelt wird und auch die Auswirkungen für die zukünftigen Generationen in den Blick genommen werden, ist ein fundamentaler Rechtsgrundsatz der Bundesrepublik Deutschland, der in der Verfassung, dem Grundgesetz, indirekt verankert ist.

 

Art. 14 II GG: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen.

Was ist mit diesem Grundgesetz-Artikel gemeint?

Die Bundesrepublik Deutschland ist eine soziale Marktwirtschaft. Jeder Mensch darf privates Eigentum haben, d.h. jeder Mensch hat das Recht über eine in seinem Eigentum befindliche Sache zu bestimmen und mit ihr nach den eigenen Vorstellungen zu verfahren und andere Personen ggf. von ihrer Benutzung auszuschließen. Dieses Recht ist in Deutschland besonders geschützt. Das Recht auf Eigentum zählt zu den Grundrechten. Dieses Recht hat man jedoch nicht absolut. Das Eigentumsrecht darf beschränkt werden, um "dem Allgemeinwohl zu dienen.“ Und diese Möglichkeit der Beschränkung des Grundrechts ist mit "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Allgemeinwohl dienen", gemeint.

Vermögen, ob in Sachwerten gebunden oder nicht, soll (zumindest anteilig) der Gesellschaft zu Gute kommen.

Artikel 14 II GG kann als Versuch interpretiert werden, die Darwinsche These der Evolution, dass der Stärkste (in unserem Fall der Kapitalstärkste) immer gewinnt, ein wenig abzuschwächen und den universellen Wert der Nächstenliebe verfassungsrechtlich zu verankern. Diejenigen, die materiell gut gestellt sind, werden mit diesem Grundgesetzartikel verpflichtet, nicht nur an sich selbst und ihre Nächsten zu denken, sondern Schwächere zu unterstützen und soziale Verantwortung zu übernehmen.

Das heißt zum Beispiel,

  • dass wohlhabende Personen steuerlich stärker belastet werden, um mit dem Geld Infrastruktur, wie Krankenhäuser, Straßen, Schulen für alle zu bauen und zu unterhalten,
  • dass Eigentümer:innen ihre Häuser nicht verfallen lassen dürfen oder dass Mieten dem Einkommen der Bevölkerung angemessen sind, damit das Eigentum auch genutzt werden kann.

Für Unternehmen gilt es in der Folge, statt allein auf Gewinnmaximierung zu setzen, sozial und ökologisch verantwortungsvoll zu handeln und seiner Verantwortung gerecht zu werden und an die Zukunft zu denken.

Einzelinteresse und Gemeinwohl

Johannes führt seit einigen Jahren den Bauernhof seiner Familie. Er hat erfolgreich auf Biolandwirtschaft umgestellt und lebt zufrieden mit seiner Familie in der Dorfgemeinde. Zum Zwecke der Speicherung der aus Wind- und Sonnenkraftanlagen gewonnenen Energie soll jetzt außerhalb des Dorfes ein großer Speichersee gebaut werden. Dazu hat das Land ein Enteignungsgesetz erlassen, von dem nun auch Johannes betroffen ist. Ackerland, Waldflächen und Weiden, insgesamt 80 Prozent seines Landbesitzes werden dem Bau des Stausees zum Opfer fallen. Johannes wird einen finanziellen Ausgleich erhalten. Vergleichbare landwirtschaftliche Flächen kann er damit in seiner Gemeinde aber nicht erwerben. Es gibt keine.

Einzelinteresse und Gemeinwohl

Aufgabe Aufgabe: Manchmal müssen die Bedürfnisse Einzelner hinter die der Gemeinschaft zurück stehen. Argumentiere jeweils aus Sicht des Staates und aus Sicht von Johannes das Für und Wider. Begründe am Ende, ob die Enteignung aus deiner Sicht verhältnismäßig ist.

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Manche betrachten die Verpflichtung aus dem Eigentum als ärgerliche Beschränkung, andere sehen darin eine  Grundlage für großartige soziale Errungenschaften, wie Arbeitsschutzgesetze, Elternzeit, Umweltschutzauflagen, etc. die bekanntermaßen längst nicht überall auf der Welt die Norm sind. Doch egal wie man dazu steht, eines ist nicht abzustreiten, die Sozialbindung des Eigentums ist privilegiertes Verfassungsrecht. Und damit nichts, was nach Belieben beachtet werden kann oder nicht.

Richtlinien und Orientierungsrahmen

Was im Einzelnen dazu dient, nachhaltig zu wirtschaften und eine auch zukünftige lebenswerte Gesellschaft und Umwelt zu schaffen bzw. zu erhalten, ist - je nach Situation und Perspektive aus der man sie betrachtet - verschieden. Um die Entscheidung nicht jedem Einzelnen zu überlassen, gibt es Richtlinien zur Orientierung.

Gesetze

Mit Gesetzen gibt der Gesetzgeber einen Leitrahmen vor, der nicht verhandelbar ist. Die Missachtung von Gesetzen ist oftmals strafbewehrt bzw. kann zu zivilrechtlichen Folgeansprüchen führen (Schadensersatz, etc.).

Corporate Responsibility

Zahlreiche Unternehmen tun freiwillig sehr viel mehr, als der Gesetzgeber fordert, um eine nachhaltige Entwicklung zu befördern. Diese freiwilligen Beiträge, die unmittelbar aus der eigentlichen Geschäftstätigkeit hervorgehen können oder auf andere Weise ökologische oder soziale Aspekte unterstützen, nennt man Corporate Social Responsibility (CSR) Maßnahmen.

Um sich selbst zu binden, schreiben manche Unternehmen die Ziele, die sie sich freiwillig setzen, schriftlich in einem CSR-Konzept fest. Diese Selbstverpflichtungen werden meist nur in großen Unternehmen und Konzernen geschlossen. Dort, in einem eher anonymen Umfeld, sind sie auch notwendiger als in einem kleinen Betrieb, wo eine viel direktere Kontrolle der Arbeit des Einzelnen stattfindet und oft auch auf Grund einer familiären Atmosphäre andere Maßstäbe angelegt werden.

Die Unternehmen gehen diese zusätzlichen Selbstverpflichtungen freiwillig ein. Das ist eigentlich toll. Zugleich ist die Freiwilligkeit auch ein Punkt, der immer wieder Kritik hervorruft. Denn Freiwilligkeit bedeutet natürlich auch, dass man sich ständig aufs Neue dafür oder dagegen entscheiden kann, sich den Regeln zu unterwerfen. Und eine Kontrolle, ob die Verpflichtungen eingehalten werden, findet meist nicht statt.

Im Folgenden findet Ihr einige Kodizes, die deutschlandweit oder international Anwendung finden.

Der Global Compact ist ein selbstverpflichtender Vertrag, der zwischen Unternehmen und der UNO geschlossen wird, um die Globalisierung sozialer und ökologischer zu gestalten.

Unternehmen verpflichten sich (in allen Staaten, in denen sie tätig sind) mit Unterzeichnung des Global Compact zehn Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitnehmerrechte, Umwelt und Korruptionsbekämpfung einzuhalten. Jedes Jahr erstellen die teilnehmenden Unternehmen einen Bericht über ihre Aktivitäten zur Förderung und Wahrung der zehn Prinzipien. Vorbildunternehmen werden identifiziert und die anderen zur Nachahmung angeregt.

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK)  schreibt 20 Kriterien fest, an denen sich Unternehmen bei ihrem wirtschaftlichen Handeln orientieren sollen. Von der strategischen Ausrichtung des Unternehmens über Umweltschutzgesichtspunkte, Chancengerechtigkeit und politische Einflussnahme bietet der DNK einen Orientierungsrahmen für die nachhaltige, d.h. langfristig erfolgreiche und stabile Entwicklung eines Unternehmens und seiner Umwelt. Der DNK kann weltweit genutzt werden, der Unternehmenssitz ist nicht relevant für die Anwendung des DNK.

Ähnlich dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex stellt der Deutsche Corporate Governance Kodex wesentliche gesetzliche Vorschriften zur Leitung und Überwachung von Unternehmen dar und enthält in Form von Empfehlungen und Anregungen international und national anerkannte Standards guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung.  Er richtet sich jedoch ausschließlich an deutsche börsennotierte Unternehmen.

Auch Siegel, die sich an Verbraucher wenden, wie Fair Trade, Fair Wear, EU-Bio oder der Blaue Engel bieten Richtlinien und Orientierungshilfen für ethisches Wirtschaften.

Compliance

Um sicherzustellen, dass den Mitarbeitenden die (selbst gesetzten) Regeln und Gesetze bekannt sind, und sie sich entsprechend verhalten können, bilden (vor allem größere) Unternehmen eigenständige Compliance Abteilungen.

Compliance steht für Regeltreue bzw. Regelkonformität. Über die Selbstverständlichkeit hinaus, die gesetzlichen und vom Unternehmen definierten Regeln einzuhalten, umfasst der Begriff „Compliance“ auch die Schaffung organisatorischer Vorkehrungen im Unternehmen, um die Einhaltung der Richtlinien sicherzustellen. Dazu gehören vorsorgliche Maßnahmen, wie die Aufklärung, Information und Schulung von Mitarbeitenden und die Überwachung unternehmensinterner Vorgänge, also die Kontrolle. Unsaubere, illegale Geschäftspraktiken, wie verbotene Preisabsprachen oder Bestechungsskandale, führen bei Bekanntwerden zu negativen Schlagzeilen und einem Ansehensverlust bei den Unternehmen. Häufig haben solche Vorfälle aber auch finanzielle oder gerichtliche Folgen.

Compliance ist also ein wichtigter Baustein für für nachhaltig erfolgreiche Unternehmen.

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