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Würmer sind die neuen Esel

Sustainopreneurship: Wirtschaft auf gutem Grund

Beispiel TerraCycle

Trotz ihres massiven Erfolgs sind die beiden Jungunternehmer Tom Szaky und Jon Bayer mit beiden Beinen fest auf dem Boden geblieben. Denn der bildet das Fundament, auf dem die Erfolgsgeschichte ihrer Firma TerraCycle aufbaut:

Die beiden Amerikaner begannen ihre Karriere mit „TerraCycle Plant Food“, einem Ökopflanzendünger, der aus all dem hergestellt wird, was die Natur hergibt und ihre Mitmenschen in den Müll werfen. An der Uni entwickelten sie die Idee, mit Mensaabfällen Würmer zu füttern um aus deren Exkrementen einen umweltfreundlichen Pflanzendünger herzustellen. Verkauft wird dieser natürlich in recycelten Plastikflaschen. Inzwischen hat sich die Produktpalette von TerraCycle bis hin zu Reinigungsmitteln und Taschen erweitert. Alle Produkte haben jedoch eines gemeinsam: Sie werden aus Müll und/oder Recyclingstoffen hergestellt und konnten erfolgreich auf dem Markt etabliert werden. Außerdem sind inzwischen 1.500 Schulen, und damit tausende von Schülern, Eltern und Lehrern als „(Müll-)Zulieferer“ von TerraCycle Teil der Wertschöpfungskette und zeugen auch von einem Wandel im Bewusstsein der Menschen. Damit sind die beiden Jungunternehmer mit ihrer Firma Terra Cycle DIE Prototypen einer neuen Form des Unternehmertums: Sustainopreneurship.

Das neue Erfolgsrezept: sustainability + entrepreneurship + innovation = success

Sustainopreneurship kommt von Sustainability (übersetzt: Nachhaltigkeit) und Entrepreneurship (übersetzt: Unternehmertum)  und steht kompakt für ein völlig neues Verständnis von Unternehmertum. Dabei wird Nachhaltigkeit nicht mehr länger als lästige Auflage sondern als Herausforderung, als Chance und als unternehmerisches Potential gesehen. Mit ihren Produkten beweisen Sustainopreneure wie die beiden TerraCycle Gründer eindrucksvoll, dass wirtschaftlicher Erfolg, kurz Profit, und nachhaltige ökologische Ziele sich nicht mehr länger gegenseitig ausschließen. Vielmehr funktioniert der Profitgedanke als Katalysator,  durch den das vorhandene Potential erst freigesetzt wird. Aus der vermeintlichen Wirtschaftsbremse Nachhaltigkeit wird so ein treibender Motor für Innovation, für die Erschließung neuer Märkte und für eine bessere Welt.

Von der Vision zur Revolution: Unternehmertum und Verantwortung

Von der Sustainopreneurship abzugrenzen  ist die sustainable Entrepreneurship, eine Form des Wirtschaftens, bei der die im Sinne der Nachhaltigkeit gesetzten Grenzen zwar beachtet werden, das eigentliche Geschäftsmodell und die Strategie hingegen nicht im Dienste der Nachhaltigkeit stehen. Für einen Sustainopreneur bildet Nachhaltigkeit die existentielle Grundlage seines Unternehmens. Ziel ist ihre Realisierung IM Unternehmen, AM Produkt und DURCH das Business selbst.

Dahinter steht der unbedingte Glaube, dass globale, soziale und nachhaltigkeitsrelevante Probleme durch radikale unternehmerische Innovation gelöst werden können. Die Sustainopreneurship demonstriert so das gewaltige gestalterische Potential des Unternehmertums, dem auf einmal eine neue, ungewohnte Rolle zukommt: vom Verantwortlichen zum verantwortungsvollen Unternehmer, der nicht nur einen Markt, sondern ganze Gesellschaften zum Positiven hin verändern kann. Sustainopreneurship heisst immer auch Social Entrepreneurship und Ecopreneurship.  Revolutionär klingt deshalb auch der Titel des Buches, in dem TerraCycle Mitbegründer Tom Szaky ihre Geschichte erzählt: „Revolution in a Bottle – How TerraCycle is redefining Green Business“.