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4. Das Gründungsteam

„First who, then what.“ - Jim Collins, Good to great

Ein gutes Team entscheidet über Erfolg und Misserfolge einer Geschäftsidee. Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage des Fraunhofer Instituts aus dem Jahr 2013 bei der Befragung von EXIST-Stipendiaten. 56 Prozent der gescheiterten befragten Gründer gaben an, Grund für das Scheitern seien nicht etwa zu wenig Kunden, zu schlechtes Marketing oder fehlende Finanzierung gewesen, sondern in über der Hälfte dieser Fälle waren Probleme im Team oder andere persönliche Gründe der ausschlaggebende Grund. Deshalb zählt auch für Investoren ein gutes Team manchmal mehr, als die eigentliche Geschäftsidee. Das Argument: Ein gutes Team kann auch aus einer mittelmäßigen Idee noch was machen. Wohingegen selbst eine Ausnahmeidee mit einem nicht funktionierenden Team in der Regel zum Scheitern verurteilt ist.

D I E    I N H A L T E

  1. Einzelkämpfer vs. Mannschaft
  2. Was zeichnet ein gutes Gründungsteam aus?
  3. Wie findet man Mitgründer?
  4. Streit und Konflikte im Team

Einzelkämpfer vs. Mannschaft

Jeder arbeitet anders. Es gibt Menschen, die machen wichtige Dinge gerne mit sich alleine aus und wiegen Vor- und Nachteile im Kopf ab oder erstellen Listen. Es gibt auch Menschen, die werden erst dann richtig produktiv, wenn sie im Austausch mit anderen die Möglichkeiten diskutieren. Die eine Variante ist nicht besser als die andere, sondern vor allem eine ganz individuell.

Laut KfW Gründungsmonitor 2016 haben 2015 knapp 23 Prozent aller Gründer im Team gegründet – d.h. im Umkehrschluss, 77 Prozent aller Gründer waren als Sologründer unterwegs. Beides hat Vor- und Nachteile.

Mut zum Gründen durch das Team

Die Gründerinnen von Wundercurves geben Auskunft darüber, wie sie ihr Team aufgebaut haben und warum dieses für die Gründung so wichtig war.

Aufgabe Aufgabe: Gründen im Team oder alleine. Welche Aussagen treffen zu?


Vorteile für Sologründer

Freiheit

Viele machen sich selbstständig, weil sie der eigene Chef sein und endlich selbst Entscheidungen treffen wollen, ohne dass man die sich erst von jemandem absegnen lassen muss. Als Einzelgründer hat man da wirklich die komplette Entscheidungsfreiheit und ist nur sich selbst Rechenschaft schuldig. Abstimmungen und Diskussionen mit einem oder mehreren Partnern entfallen. Das führt zu einer höheren Flexibilität. Kursänderungen sind im Zweifelsfall einfacher möglich, wenn nicht erst alle Partner auf die gleiche Linie gebracht werden müssen.

Weniger Konflikte

Man muss sich als Einzelgründer nicht mit anderen abstimmen, sondern nur mit sich selbst. Konflikte innerhalb der Unternehmensführung haben schon einige Unternehmen in Schwierigkeiten gebracht, weil wichtige Entscheidungen mangels Einigkeit nicht oder erst viel zu spät getroffen werden konnten. Das entfällt, wenn man alleine ist. Mit sich selbst ist man ja doch mistens einer Meinung.

Vorteile einer Teamgründung

Geringeres Risiko

Im Team zu gründen verteilt die Verantwortung und die Risiken auf mehrere Schultern. In einem guten Team werden die Aufgaben gleichmäßig aufgeteilt und im Fall der Fälle kann man gegenseitig aushelfen. Alleine das Wissen, dass man nicht alleine ist und einen (oder mehrere) Partner in Crime hat, mit denen man die Herausforderungen angeht, kann in vielen Fällen schon Erleichterung bringen und das Stresslevel senken.

Zusammen besser

Zwar sind Unternehmer oft Allrounder, aber niemand kann Experte auf jedem Gebiet sein. Im Idealfall besteht daher ein Team aus Personen, die sich in ihren Stärken und Schwächen ergänzen. Die Gründerteams von so erfolgreichen Unternehmen, wie Apple, Microsoft und Google sind Beispiele dafür, wie gegensätzliche Gründer zusammen erfolgreich arbeiten. Je nach Stärken und Fähigkeiten können dann auch die Verantwortlichkeiten aufgeteilt werden -> weniger Konflikte.

Was aber zeichnet ein gutes Gründungsteam aus?

Eine Idee im Team zu verwirklichen hat viele Vorteile gegenüber Einzelgründern. Eine Teamgründung schafft aber auch neue Stolperfallen, die man unbedingt vor der Entscheidung im Team zu gründen bedenken sollte:

▲ Eine gemeinsame Vision

▼ Eine gemeinsame Vision

Ein Unternehmen gemeinsam zu gründen ist ein wenig, als würde man heiraten. Es ist eine Entscheidung, die nicht morgen wieder zu revidieren ist, sondern euch wahrscheinlich für Jahre bindet und viele rechtliche Konsequenzen nach sich zieht. Bevor man also die Entscheidung trifft, gemeinsam mit anderen zu gründen, muss man sich ehrlich fragen, ob alle das gleiche Ziel haben. Seid ihr euch einig, was ihr mit dem Unternehmen erreichen wollt? Und wie? Das heißt nicht, dass ihr nie anderer Meinung sein dürft, aber im Kern solltet ihr dasselbe wollen.

▲ Stärken und Schwächen. Ergänzt ihr euch?

▼ Stärken und Schwächen. Ergänzt ihr euch?

Wie oben beschrieben, ist es einer der großen Vorteile einer Teamgründung ist, dass sich die Mitgründer in ihren Stärken und Schwächen ergänzen können. Ist das bei Euch der Fall? Es profitieren alle, wenn durch unterschiedliche fachliche Hintergründe Synergien entstehen. Im Gegenzug führt es oft zu Konflikten, wenn sich mehrere gleichzeitig als Experten auf demselben Gebiet sehen.

▲ Ähnliche Arbeitsweisen

▼ Ähnliche Arbeitsweisen

Wenn der Eine immer bis zum Ende der Deadline wartet, bis die Aufgabe angegangen wird und die Andere den Entwurf lieber schon eine Woche vorher fertig hat, dann führt das schnell zu Streit. Genauso wie, wenn die Eine alles auf sich zukommen lässt und der Andere ein Fan von detaillierten To-do-Listen ist. Es ist also wichtig zu wissen, wie der andere denkt und arbeitet.

▲ Klare Aufgabenverteilung

▼ Klare Aufgabenverteilung

Bei einer Gründung und generell in Unternehmen kann nicht jeder in jede noch so kleine Entscheidung eingebunden werden. Es gibt einfach zu viele davon. Es sollte daher klar sein, wer wofür zuständig ist und die Entscheidungshoheit hat. Und diese Arbeitsaufteilung muss respektiert werden. Bei der Aufteilung der Aufgaben geht man am besten wieder nach den Stärken und Kompetenzen der Einzelnen.

▲ Kritik und Streit

▼ Kritik und Streit

Auch wenn eine klare Entscheidungsbefugnis existiert, sollte es trotzdem möglich sein, im Team konstruktiv und ehrlich Kritik anzubringen. Meinungsverschiedenheiten im Team wird es ganz sicher geben. Die Frage ist dann, wie man mit Ihnen umgeht. Unter den Mitgründern solltet ihr fähig sein Kritik zu äußern und anzunehmen. Nur durch konstruktive Diskussionen können die Synergien aus dem Team effektiv genutzt werden.

▲ Wie eine Ehe?

▼ Wie eine Ehe?

Zusammen zu gründen, heißt gemeinsam Verantwortung und Verpflichtungen für sich und andere zu übernehmen. Das setzt voraus, dass man sich auf den Partner verlassen kann und einander respektiert. Ähnlich wie in einer Ehe. Und genauso, wie man sich dort verspricht "in guten, wie in schlechten Zeiten“ zueinander zu stehen, sollten Gründer einander in den sicher auftretenden schwierigen Phasen verlässliche Partner sein.


Letztlich muss also die Chemie stimmen, um ein gutes Team zu sein. Ihr müsst euch einig sein über die grobe Richtung und auch persönlich muss der Umgang, wenn nicht freundschaftlich, so zumindest von großem Respekt für den jeweils anderen und seine Meinung geprägt sein.

Und so wie ein Gründer nicht alle Eigenschaften und Fähigkeiten in sich vereinigen kann, ist das auch beim Gründerteam unwahrscheinlich. Das muss aber kein Problem sein, ihr müsst nicht alles Fachwissen unmittelbar in der Geschäftsleitung haben. Ihr könnt bestimmte Aufgaben auch an externe Dienstleister vergeben oder durch angestellte Mitarbeiter ausführen lassen.

Start-up? Nur mit einem guten Team!

Tim erklärt, warum ein gutes Team so entscheidend für ein Start-up ist.

Wie findet man seine Mitgründer?

Larry Page und Sergej Brin, Ben und Jerry: sie alle waren, bevor sie zusammen erfolgreiche Unternehmen gründeten, Freunde.

Mit Freunden oder Familie zu gründen, hat einen großen Vorteil im Hinblick auf das, was wir gerade eben im Hinblick auf ein gutes Gründungsteam gesagt haben: Die Chemie stimmt schon mal. Man verbringt gerne Zeit miteinander. Das ist schon mal ein guter Anfang. Was bei Gründungen unter Freunden und Familie aber häufiger zu Problemen führt, ist der Umgang untereinander, wenn es mal nicht so gut läuft. Hält es die Freundschaft oder die Familie aus, wenn es Streit und großen Stress gibt? Das hängt auch davon ab, wie gut man Privates und Berufliches trennen kann.

Das ist nicht immer so einfach: Steve Jobs und Steve Woszniaks Freundschaft ist während der Ups und Downs von Apple zu Grunde gegangen. Lange vor Steve Jobs Tod schon sprachen die beiden kaum noch ein gutes Wort übereinander, geschweige denn miteinander. Viele Gründer machen sich deshalb außerhalb des Familien- und Freundeskreises auf die Suche nach Mitgründern.

Wo man fündig werden könnte:

Es gibt eine Reihe von Online-Plattformen, die speziell dafür da sind Gründungswillige zusammen zu bringen - Beispiele: Cofounders Lab, founderio, founder2be, Builders Network uvm.

Bei den Alumnitreffen von JUGEND GRÜNDET treffen sich Menschen, die alle am Thema Gründen und Innovation interessiert sind und mit denen man schon mal ein erstes Gesprächsthema hat - eine prima Gelegenheit Unterstützung für die eigene Idee zu finden.

Auch auf eigentlich allgemeineren Karrierenetzwerken wie Xing und LinkedIn lassen sich Mitgründer finden. Tipp: Interesse daran klar im Profil signalisieren, den einschlägigen Gruppen und Diskussionsforen beitreten und aktiv werden.

Es gibt in vielen Städten unzählige Events speziell für Gründer und die Start-up-Kreise, die zum Netzwerken einladen. Oftmals steht das auch explizit im Programm. Zu Beginn gibt es meist einen Vortrag oder eine Podiumsdiskussion und dann beim Imbiss heißt es: Neue Leute kennenlernen. Einfach mal informieren, was regional angeboten wird. Gründungszentren sind in der Regel eine gute Anlaufstelle.

In Co-Working-Spaces kann man sich einen Arbeitsplatz monats-, tage- und teilweise auch stundenweise anmieten. Hier arbeiten viele unabhängig voneinander im gleichen Büro. Da bleibt es nicht aus, dass man sich kennenlernt und erfährt, woran der andere gerade arbeitet. Sich gegenseitig inspirieren zu können, zeichnet den Charme dieser Büroform aus. Schon manche Start-ups und Geschäftsideen sind so entstanden.

Bei solchen Veranstaltungen sind die Chancen, auf Gleichgesinnte zu treffen, sicher mit am größten. Es sind Veranstaltungen speziell für Gründer oder jene, die es werden wollen. Vom Gründen muss man hier sicher niemanden überzeugen, meist sind die Leute nur noch auf der Suche nach einer zündenden Idee.

Streit und Konflikte im Team. Was jetzt?

Streit und Konflikte im Team sind über kurz oder lang unvermeidlich, egal wie perfekt das Team zusammen passt. Die Frage, ob der Streit dazu führt, dass das Unternehmen scheitert oder weiter erfolgreich existieren kann und durch die Auseinandersetzung vielleicht sogar wächst, hängt davon ab, wie man mit den Konfliktsituationen umgeht.

Klare Regeln von Anfang an

Am besten ist es, wenn man schon von Anfang an die Konfliktsituationen mitbedenkt. Und im Idealfall mit Regeln vertraglich vorgebeugt hat. Im Gesellschaftervertrag sollten zumindest die wesentlichen Punkte wie Aufgaben und Zuständigkeiten, Beteiligungsverhältnisse und das Ausscheiden von Gesellschaftern geregelt werden.

Aufgabe Aufgabe: Worüber sollte man sich vor einer Teamgründung Gedanken machen? Kreuze an, was zutrifft.


Ein wichtiger Punkt um Streit zu vermeiden: Die Rechtsform

Die Wahl der Rechtsform kann dabei helfen, einige Fragen, die oben aufgeworfen wurden, abschließend zu regeln. Verantwortungsbereiche, aktiver oder passiver Gesellschafter, Auflösung, etc. - das alles ist je nach Rechtsform ganz unterschiedlich geregelt. Welche Rechtsform passend ist, muss dehalb im Einzelfall entschieden werden. Mehr dazu im Modul Ich gründe: Welche Rechtsform ist die richtige.

Fazit

Ob man allein als Solo-Gründer oder mit Partnern als Team-Gründer an den Start geht, ist nicht nur eine Frage der eigenen Persönlichkeit, sondern ist auch von der Art des geplanten Unternehmens abhängig. Sollte man sich zu einer Gründung mit anderen entschließen, gilt die alte Weisheit: "Drum prüfe, wer sich (ewig) bindet“, damit der Traum von der Selbständigkeit nicht an beruflichen oder privaten Differenzen der Geschäftspartner scheitert.