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3. Wir wachsen! Und alles ändert sich?

Wenn ein Start-up mit seiner Idee Erfolg hat, dann wird es wachsen. Das bringt Veränderung mit sich. Und neue Herausforderungen:

D I E    I N H A L T E

  1. Veränderungen kündigen sich an
  2. Die Finanzierung
  3. Das Team
  4. Vom Gründer zur Managerin
  5. Produkt weiterentwickeln

Veränderungen kündigen sich an

Wenn man als Start-up wächst, dann heißt das in der Regel, dass die Anzahl der Bestellungen steigt, man immer mehr Kunden hat, die Zahl der Nutzer steigt, etc. Und das heißt, dass die bisherigen Ressourcen oft nicht mehr reichen. Man braucht zusätzliche Mitarbeiter, größere Büros, neue Zulieferer, eine bessere Serverstruktur, etc. Nicht immer ist es damit getan, einfach mehr von den Ausgangsstoffen zu bestellen. Oft ist es im Zuge großen Wachstums nötig, die eigenen Produktionsprozesse und Strukturen neu aufzustellen und umzubauen. Und das anzustoßen und zu begleiten kann neben Zeit und Geld auch viele Nerven kosten. Dabei kann es hilfreich sein zu überlegen, ob es sich vielleicht lohnt Partner zu suchen. Nicht immer ist es möglich oder sinnvoll alle Aufgaben selbst zu übernehmen: Die Zusammenarbeit mit Vertriebs- oder Produktionspartnern kann in manchen Fällen einiges erleichtern.

Die Finanzierung

Die Finanzierung zu prüfen und anzupassen ist ein ständiger Prozess. Wenn ein Start-up wächst, hat es zwar im Regelfall mehr Einnahmen, um die zusätzlichen Produkte herzustellen und die wachsende Kundenzahl zu betreuen, es braucht aber auch oft zusätzliche Finanzmittel für die Herstellung der Produkte und das neue Personal. Frühzeitig sollte man sich daher damit beschäftigen, ob das Wachstum aus eigenen Mitteln, zum Beispiel den bisherigen Gewinnen, finanziert werden kann, oder ob man auf Bankkredite oder neue Partner angewiesen ist. Nichts wäre ärgerlicher, als wenn ein Start-up, das mit seinem Produkt bereits Fahrt aufgenommen hat, daran strauchelt, dass es auf Grund fehlender Zwischenfinanzierung die steigende Nachfrage nicht bedienen kann. Um sich über die zur Auswahl stehenden Finanzierungsmethoden zu informieren, empfehlen wir das Modul Finanzierung.

Das Team wächst

Wenn ein Start-up wächst, dann wächst meist nicht nur der Umsatz, sondern mit ihm die Zahl der Produkte, die versendet, die Anzahl der Kunden, die betreut werden müssen und damit einhergehend früher oder später auch das Team.

Wahrscheinlich wird am Anfang alles mindestens einmal in Frage gestellt, wenn nicht gleich komplett geändert. In einer solchen Situation ist es von großer Bedeutung, dass alle im Team mit den Veränderungen umgehen können. Wer lieber jeden Tag das gleiche wie gestern und vorgestern und wie vor drei Jahren macht, der ist in einem Start-up sicher falsch. Die Gründer und Mitarbeiter eines Start-ups sollten persönlich und im Team bereit sein, die eigenen Aktivitäten und Vorgehensweisen immer wieder neu zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen.

Als Unternehmer kann man diese Veränderungen im Team vorbereiten und unterstützen. Veränderungen, die vollkommen unvorbereitet eintreffen, werden selbst die flexibelsten Mitarbeiter irgendwann vor den Kopf stoßen. Wenn die eigene Arbeit ihren Sinn verliert, weil sie ständig wieder in Frage gestellt wird. Wie kann man das ändern? Durch offene Kommunikation. Die Mitarbeiter sollten zumindest über die groben Vorgänge im Unternehmen informiert sein, über die Fragen und Herausforderungen, denen sich das Unternehmen momentan stellt. Dann ist es einfacher sich auf Veränderungen einzustellen.

Was wollen wir erreichen

Zunächst ist es wichtig, dass alle im wachsenden Team sich im Klaren darüber sind, was das große Ziel des Unternehmens ist. Wo wollen wir hin? Das sollten alle wissen, um entsprechend handeln zu können. Die Strategie und das Vision Statement sind dabei sehr hilfreich. Siehe Lernmodul Strategieentwicklung. Ein Plan für die Zukunft

Auswahl der Mitarbeiter:

Wenn ein Start-up erfolgreich wächst, dann braucht es über kurz oder lang mehr Mitarbeiter. Nicht alles lässt sich mit Praktikanten oder für einzelne Aufträge engagierte Freelancer regeln. Wie in allen anderen Bereichen auch, sollte man sich auch hier nicht der Versuchung hinzugeben, Ausgaben zu tätigen, die man (langfristig) nicht finanzieren kann. Das System „Hire and Fire“ führt ganz sicher schnell zu großer Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern.

Wer ständig damit rechnen muss, dass er selbst oder die neue Lieblingskollegin wieder gehen muss, wird sich selbst nur bis zu einem bestimmten Grad für das Wohlergehen des Start-ups verantwortlich fühlen und die Bildung eines guten Teams, der Kernwert eines erfolgreichen Start-ups, wird erschwert. Das Ziel sollte es also sein, auch in Zeiten starken Wachstums, die Mitarbeiterzahl nachhaltig wachsen zu lassen.

Mitarbeiter sollte man auf lange Frist einstellen. Das Einlernen von Mitarbeitern kostet Zeit und Geld. In Unternehmen mit komplexen Aufgaben ist es nur selten sinnvoll, auf eine sich ständig verändernde Belegschaft zu bauen. Das Kapital innovativer Start-ups liegt zum großen Teil in den Köpfen der Mitarbeiter. Daher sollte das Kernteam, das mit dem Unternehmen weiter wächst, festangestellt und unbefristet im Unternehmen angestellt sein. Um Mitarbeiter fest an sich zu binden, helfen verschiedene motivierende Maßnahmen und Leistungen, auch Incentives genannt:

Mitarbeiter mit Entwicklungspotential

Bei der Auswahl der dauerhaft im Unternehmen arbeitenden Mitarbeiter sollte darauf geachtet werden, dass sie Potenzial haben, mit dem Unternehmen zu wachsen. Ist vorstellbar, dass den Mitarbeitern in nicht allzu ferner Zukunft größere Verantwortung übertragen werden kann, wenn das Geschäft sich ausdehnt? Wenn beispielsweise die Marketingchefin nicht mehr nur für einen Ort verantwortlich ist, sondern deutschlandweit agieren muss. Damit muss man auch klar kommen. Die Mitarbeitereinstellung sollte also mit Perspektive vorgenommen werden.

Beständigkeit

Auch Kunden haben lieber einen festen Ansprechpartner, zu dem sie eine Beziehung aufbauen können, als ständig wechselnde Kontakte, denen man die Probleme ständig neu erklären muss. Ein beständiges Team zeugt von Verlässlichkeit auch nach außen.

Ansprüche ändern sich

Das Team wachsen zu lassen und passende qualifizierte Mitarbeiter für sich zu gewinnen, erfordert es auch darauf zu achten, was Mitarbeiter außer einem dauerhaft sicheren Einkommen wollen. Zu Beginn ist das vielleicht noch nicht so wichtig. Wer sich bewirbt um in einem kleinen Start-up zu arbeiten, rechnet damit, dass sich in den nächsten Jahren einiges ändern wird und nicht alles, was heute geplant wird, übermorgen noch gelten kann. Je größer das Unternehmen jedoch wird, je älter das Start-up, desto häufiger treten bei Mitarbeitern Fragen nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, betrieblicher Altersvorsorge, Aufstiegsmöglichkeiten oder Mitbestimmungsrechten auf. Und je älter das Start-Up, desto eher werden die Mitarbeiter davon ausgehen, dass der Wandel sich nicht mehr radikal vollziehen wird. Das sind Punkte, mit denen auch Gründer sich früher oder später beschäftigen müssen.

Ein gutes Team

Wenn das Team wächst, dann gilt es nicht nur qualifizierte Mitarbeiter zu finden, sondern auch solche, die sich ins bestehende Team einfinden. Das heißt, dass sie sich grundsätzlich miteinander verstehen können sollten. Und sie sollten sich in ihren Stärken und Schwächen ergänzen. Gerade wenn die Mitarbeiteranzahl noch überschaubar ist, sollte man komplementäre Charaktere und Stärken finden, Mitarbeiter, die ihre Rolle mit Begeisterung ausfüllen, um optimale Ergebnisse zu erreichen. Hier gelten ähnliche Grundsätze, wie beim Gründungsteam.

Aufgabe Aufgabe: Was ist wichtig, wenn das Team wächst?


Professionelle Strukturen

Wenn man es als Team von drei Leuten noch mit nur wenigen Kunden insgesamt zu tun hat, dann kann man sich auch informell am Mittagstisch absprechen und alles auf Zuruf regeln. Doch spätestens wenn das Team und die Aufgaben so groß werden, dass man nicht mehr alles im Überblick haben kann, müssen Arbeitsvorgänge und die Kommunikation im Büro strukturiert und professionalisiert werden. Regelmäßige Meetings sollten einberufen, Aufgabenbereiche klar eingeteilt und Zuständigkeiten vergeben werden.

Arbeitsvorgänge

Vielleicht braucht man dann eine Vertriebsabteilung, eine Abteilung für Produktentwicklung, eine für die Kundenbetreuung und wahrscheinlich noch jemanden fürs Personal.

Die Einführung von internen Organisationsstrukturen und eine strukturierte Kommunikation entwickelt klare Verantwortlichkeiten, kann aber auch dazu führen, dass eine gewisse Flexibilität und Dynamik verloren geht. Durch vorgegebene Strukturen wird mehr Zeit für Verwaltungsaufgaben und Rücksprachen eingesetzt werden müssen. Das empfinden manche als nervig. Verwaltung dient aber nicht nur dazu gesetzliche Pflichten zu erfüllen, sondern hilft auch dabei den Überblick zu behalten. Die Verwaltung sammelt Informationen über das Unternehmen und ermöglicht so Einblicke in die Vorgänge innerhalb des Unternehmens.

Detailliertes Wissen über interne Vorgänge zu haben kann auch im Hinblick auf eine konstruktive Fehlerkultur und Weiterentwicklung sehr sinnvoll sein. Ein Fehler ist nicht schlimm - so lange man aus dem Fehler für die Zukunft lernt. Und um aus Fehlern in großen/wachsenden Unternehmen lernen zu können, ist die Dokumentation ein erster wichtiger Schritt. Denn wenn keiner weiß, was passiert ist und warum, dann können es die anderen oder man selbst beim nächsten Mal auch nicht besser machen.

Vom Gründer zum Manager

Man sollte sich als Gründer nicht zuletzt auch selbst fragen, ob man befähigt ist, das Unternehmen ins Wachstum zu führen oder ob man vielleicht besser jemanden für das Management engagieren sollte. Denn ein Start-up zu führen heißt nicht nur ein Produkt zu entwickeln, sondern sehr schnell muss man sich auch mit Arbeits- und Führungsprozessen auseinandersetzen und Führungskompetenzen entwickeln.

Zu Beginn entwickelt man als Gründer und Unternehmer stark am Produkt. Oft war es die eigene Idee, man hat das Gefühl, dass man selbst weiß, wie das Produkt am besten weiterentwickelt werden kann. Doch je größer das Unternehmen wird, desto mehr verändern sich die Aufgaben, die einem Unternehmer gestellt werden. Und je größer ein Unternehmen  wird, je komplexer die Aufgaben und Teamzusammensetzungen werden, desto eher ist ein Gründer als Manager und Führungspersönlichkeit gefordert. Nachdem zu Beginn, im kleinen Team, vielleicht alle Teammitglieder auf einer Ebene standen. Will man sich als Gründer diese Aufgaben stellen? Oder sollen Aufgaben und damit auch Entscheidungskompetenzen an einen oder mehrere Geschäftsführer/Manager abgegeben werden? Will man im Unternehmen selbst weiter an neuen Produkten tüfteln? Oder hat man den Exit im Sinn? Wer als Gründer im Unternehmen bleiben und es auch führen will, muss sich nach und nach die notwendigen Kompetenzen aneignen.

Die Chef-Rolle verstehen

Ein Chef ist nicht nur dazu da Aufgaben zu verteilen und repräsentative Aufgaben zu erfüllen, sondern sollte sich als eine Art Mannschaftskapitän sehen. Eine der Hauptaufgaben eines Kapitäns ist es, die Mannschaft auf dem Spielfeld zu motivieren und die Fäden in der Hand zu halten.

Führungsstil

Autokratische, also autoritäre Entscheidungsstrukturen, sind nach wie vor eher die Regel als die Ausnahme. Auch in Start-ups, selbst wenn diese gerne flache Hierarchien propagieren. Denn viele fürchten, die Meinung des Teams zu berücksichtigen oder gar Mitsprache zu gewährleisten, mache das Start-up träge. Doch ein Kapitän kann nicht alle Aufgaben selbst erledigen. Er (oder sie) muss delegieren können und seinen Teamkollegen, den Mitarbeitern, vertrauen.

Verantwortung abgeben ist das Stichwort. Den Mitarbeitern eigene Aufgabenbereiche zuteilen und sich dann nicht in jede Kleinigkeit einmischen. Das stärkt die Mitarbeiter, fördert ihre Fähigkeiten und motiviert.

Natürlich gibt es trotzdem Entscheidungen, die man als Chef selbst treffen muss. Dafür ist es aber wiederum nötig, sich möglichst umfassend über die Hintergründe zu informieren. Und das passiert am besten in Absprache mit denjenigen, die sich tagtäglich mit dem Thema beschäftigen, also den Mitarbeitern.

Ehrlich und authentisch miteinander kommunizieren zu können, Bescheidenheit und Verlässlichkeit, Kreativität und Ausdauer, Leidenschaft für das Start-up und die Fähigkeit zu inspirieren - das alles sind Eigenschaften und Fähigkeiten, die einen guten Chef auszeichnen und die in der Folge zu motivierten Mitarbeitern führen.

Mit dem Druck umgehen

Wenn man Erfolg hat und das Start-up wächst, dann erleichtert das. Es erzeugt aber auch einen neuen Druck. Dieser kann von den Gesellschaftern oder Geldgebern kommen, nach den ersten Erfolgen weitere zu zeigen und Geld zu verdienen, um die Kredite wieder zurückzahlen zu können und zu beweisen, dass die Investitionen sich lohnen. Der Druck kann auch selbst gesetzt sein. Mit dem Erfolg wächst das Unternehmen und mit dem Wachstum kommt eine steigende Verantwortung gegenüber der wachsenden Zahl der Angestellten, den Kunden, der eigenen Familie. Mit diesem Druck muss man umgehen können oder es lernen.

Wie das gelingt, ist sehr persönlich und kann ganz unterschiedlich sein. Manche schaffen sich Freiräume, in denen sie sich mit etwas komplett anderem beschäftigen und das Start-up auch mal vergessen. Das kann der Sport sein, Meditation, die Familie, Bücher oder reisen. Was letztlich zählt ist, sich nicht verrückt machen zu lassen. Nicht immer kann alles perfekt sein. Und „nein“ zu etwas sagen zu können ist wichtig. Als Unternehmer ziehen an euch viele verschiedene Personen aus ganz verschiedenen Richtungen: Ihr werdet nicht alle Wünsche erfüllen können und das ist okay.

Aufgabe Aufgabe: Die Rolle des Gründers verändert sich. Verfasse einen sinnvollen Text.

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  • Chef-Rolle
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  • Verantwortung
  • Manager
  • am gleichen Strang
  • Visionärs

Nicht jeder ist fähig und willens Manager zu werden. Viele Gründer haben besonders viel Spaß daran Neues zu entwickeln und wenig Interesse daran das Klein-Klein zu verwalten und eine echte einzunehmen. Dann sollte man sich überlegen, ob es nicht Sinn macht einen zu beschäftigen, der diese Aufgabe übernimmt, damit man selbst weiterhin in der Rolle des bleiben kann. Doch abzugeben ist nicht immer leicht. Doch als Chef eines wachsenden Unternehmens sollte man schnell lernen, seinen Mitarbeitern zu vertrauen. Das ist natürlich leichter, wenn man es geschafft hat, ein Team aufzubauen, an dem alle ziehen.

Produkt weiterentwickeln

Auch wenn man Erfolge mit seinem Start-up hat, sollte man nicht glauben, dass dieses Erfolgsrezept für immer gültig bleibt. Immer wieder sollte man sich fragen, ob das Produkt noch immer die Wünsche der Kunden im besten Maße befriedigt oder wie man es anders besser machen könnte. Siehe auch den Anfang dieser Seite: Veränderungen kündigen sich an.

Wachstum ist niemals fertig

Ein Start-up verändert sich ständig, entwickelt sich weiter. Wenn das Unternehmen wächst, wird wenig so bleiben, wie es zu Beginn war. Angefangen beim Team und den Arbeitsschritten bis hin zum Produkt. Alles kann irgendwann in Frage gestellt, wenn nicht gleich komplett geändert. Also macht euch auf was gefasst, freut euch auf die Herausforderungen, die es zu bewältigen gibt.
Angeblich wusste schon Heraklit von Ephesus: "Nichts ist so beständig wie der Wandel.”

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